Bild: Mit ihrer starken Vorhand konnte Jule Niemeier häufig Longline oder Cross punkten. Foto: Wagner

Deutsche Nachwuchshoffnung Jule Niemeier schaltet in der Qualifikation von Bildechingen topgesetzte Brasilianerin aus

Von Arno Schade
Es war die erste ganz große Überraschung des 26. BMW-ahg-Cups beim TC Bildechingen. Doch die Hauptbeteiligte Jule Niemeier blieb trotz ihres Erfolges gegen die in der Qualifikation an Nummer eins gesetzte Brasilianerin Carolina Meligeni Rodrigues Alves trotz ihres jungen Alters cool.
»Ich habe erst vor kurzem in Versmold mit ihr zusammen trainiert, und wusste daher, wie sie spielt und ich zu spielen habe«, so die 18-Jährige nach ihrem Zweisatz-Sieg gegen die vier Jahre ältere Konkurrentin. Dabei verpasste es Jule Niemeier  bei einer 3:1- und 4:2-Führung den ersten Satz frühzeitig zu entscheiden und musste zwei Breaks hinnehmen. »Wir haben beide im ersten Durchgang nicht gut aufgeschlagen«, so die in Dortmund geborene DTB-Nachwuchsspielerin, die ansonsten bei einer Größe von 1,78 m das Service neben einer bereits sehr gute Vorhand als Pluspunkte in die Waagschale werfen kann.
Im Tiebreak auch
Nervenstärke bewiesen
Dazu kommt eine erstaunliche Nervenstärke, denn trotz der vorherigen  Rückschläge sicherte sie sich den ersten Satz im Tiebreak mit 7:4. Danach servierten beide Kontrahentinnen besser und bis zum 4:4 durfte die verbissen weiter kämpfende Brasilianerin auf eine Wende hoffen. Einen Moment der Schwäche der aktuellen Nummer 492 der Weltrangliste nutzte die von außen immer wieder von der DTB-Trainerin Jasmin Wöhr angefeuerte, und an Position 666 geführte Deutsche zum letztlich entscheidenden Break. Ihr Service ließ sie sich dann nicht mehr nehmen und verwandelte unter den Augen der »Head of Women’s  Tennis« im Deutschen Tennis-Bund, Barbara Rittner,  ihren ersten Matchball zum 7:6, 6:4-Erfolg, der den Einzug in das Hauptfeld bedeutete.
»Dass sie zuschaut, macht mir nichts aus, denn ich kenne sie als Mitglied des Porsche Talent-Teams schon seit einiger Zeit und von einigen Lehrgängen«, so Jule Niemeier, die in der ersten Qualifikationsrunde von Bildechingen ebenfalls in zwei Sätzen gegen Birte Langenstein (6:3, 6:1) die Oberhand behalten hatte. Im Alter von zarten drei Jahren hielt sie erstmals einen Schläger in den Händen, an den ersten Tennisclub kann sie sich kaum noch erinnern; »ich glaube, das war in Werne.«
Mit dem Wechsel vor drei Jahren nach Offenbach an die dortige Tennisakademie von Alexander Waske, zu deren Kader auch Andrea Petkovic und Philipp Petzschner gehören  und in der früher auch Angelique Kerber und Mona Barthel trainierten, konzentrierte sich Jule Niemeier weitgehend auf das Tennisspielen, legte in diesem Frühjahr aber auch das Abitur ab. Und   nach dem Wegfall der Doppelbelastung von Schule und Sport liegt der Fokus ganz auf dem Tennis, »über meine weitere berufliche Zukunft habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.«
Borussia Dortmund
die Daumen drücken
Dabei verhalf der Fußballfan von Borussia Dortmund  zum  in den vergangenen Wochen ihrem Verein TC Bad Vilbel zum Aufstieg in die 1. Damen-Bundesliga. Über die ITF-Turniere soll es nach dem altersbedingten Wechsel von den Juniorinnen in der Weltrangliste jetzt Stück für Stück nach oben gehen. Der erste Erfolg hat sich auch mit dem Sieg beim 15000 Dollar-Turnier Mitte Juni in Kaltenkirchen eingestellt, wo sie im Finale die an Nummer zwei gesetzte Israelin Vlada Ekshibarova mit 7:5 und 6:2 besiegen konnte, und zuvor auch  Anna Gabric in drei Sätzen niederrang.
»Sie gehört zu den Spielerinnen ihrer Generation mit Potenzial«, attestiert Jule Niemeier  auch Barbara Rittner die Möglichkeit, ihre sportlichen Vorstellungen zu verwirklichen. »Den Sprung auf die großen Turniere schaffen; einmal auch bei den Grand Slams mitzuspielen«, – darauf  spielt und arbeitet im Training die im August 19 Jahre alt werdende Rechtshänderin nach eigenem Bekunden hin. Beim BMW-ahg-Cup will sie »von Match zu Match denken«, und knüpft sie an die Leistung in der Mittagssonne von gestern an den Folgetagen an, können es tatsächlich auch im Hauptfeld noch einige Spiele auf der Anlage des TC Bildechingen werden.
Übrigens: Beim erwähnten 60000 Dollar-Turnier in Versmold und dem dortigen  Training mit Carolina Meligeni  Rodrigues Alves schaltete Jule Niemeier in der ersten Qualkifikationsrunde keine geringere als die Siegerin von 2015 in Bildechingen im Einzel, Jesika Maleckova,  aus. In der ersten Runde des Hautfeldes kam das Aus gegen die an Nummer zwei gesetzte Niederländerin Bibiane Schoofs, Doppel-Gewinnerin des BMW-ahg-Cup vom Vorjahr.