Von Arno Schade

Natalia Siedliska muss auch beim Turnier in Bildechingen zweigleisig denken: Bachelor-Abschluss steht bevor

Den ersten Schritt in Richtung Hauptrunde beim 26. BMW ahg-Cup hat gestern auf der Anlage des TC Bildechingen Natalia Siedliska erfolgreich absolviert. Und das gegen Shaline-Doreen Pipa unerwartet deutlich, ist das letzte Match der beiden deutschen Spielerinnen wesentlich knapper zu Ende gegangen.

Mitte Mai standen sich beide in der Bundesligabegegnung des TC BASF Ludwigshafen und DTV Hannover zuletzt gegenüber, und mit dem 6:4, 2:6 und 10:6-Erfolg hatte Natalia Siedliska ihren Anteil am letztlichen 5:4-Sieg ihres Teams, das am Ende dennoch als Zweitletzter der Tabelle absteigen musste. »Das war ganz eng, denn wir haben mehrere wichtige Matchbälle vergeben«, bedauert  die seit diesem Jahr für den pfälzischen Bundesligisten an der Seite der in Bildchingen in diesem Jahr an Position vier gesetzten Katharina Hobgarski im Team aufschlagende 22-Jährige. »Kathi ist auch der Grund, warum ich für den TC BASF Ludwigshafen spiele, denn sie hat mich vor zwei Jahren nach einem gemeinsamen Finale in Weiler auf einen Wechsel angesprochen, zumal man bei dem Verein zunehmend auf deutsche Spielerinnen setzen wollte«.
 
Passend für das Engagement in der Stadt am Rhein  war zudem, dass der  Wohnort Frankfurt nicht all zu weit entfernt ist. In der hessischen Metropole lebt die in Lodz geborene Natalia Siedliska seit ihrem familienbedingten Umzug als Kind, hat  aber noch in Polen mit sieben Jahren die ersten sportlichen Schritte auf dem Tennisplatz absolviert. Zwischenzeitlich hatte es sie für zwei Jahre in die USA gezogen, wo sie in Miami (Florida) ihr Studium in Business Administration begonnen hat. »Am 10. Dezember habe ich das Bachelor-Zeugnis in den Händen«, strahlt sie in Vorfreude auf den Abschluss des ersten Studienteils, auf den sie im Moment aber noch intensiv hinarbeiten muss.
 
»Auch heute habe ich hier im Hotel noch zweieinhalb Stunden gelernt, denn das derzeitige Semester ist das anstrengendste überhaupt«, so Natalia Siedliska, die daher bei ihrem ersten Auftritt beim Turnier in Bildechingen (»im Vorjahr hatte ich wohl gemeldet, musste dann aber wegen der Krankheit meiner Oma absagen«) fast zwangsläufig erst einmal nur von Match zu Match und weniger an ihren Sieg bei einem 15 000 Dollar-Turnier in Hammamet (Tunesien) im Februar dieses Jahres  denkt.
 
Der zweite Sieg auf der ITF-Tour in ihrer sportlichen Vita liegt bereits einige Zeit zurück: Im November 2013 gewann sie ein 10 000 Dollar-Hallenturnier in Iraklio (Griechenland). Mit dem Tennis verbunden ist auch ihr  weiterer beruflicher Weg. Mit Beginn des Jahres 2019 wird  sie ein  Master-Fernstudium an der Indiana University starten, bei dem die Spielerinnen-Organisation WTA mit einem finanziellen Programm Hilfestellung leistet. Je nach Ranking werden 50 bis 75 Prozent der Kosten übernommen, »und da habe ich der Mama gesagt, da muss ich doch wieder mehr Turniere spielen«, erklärt sie lachend. Dabei hofft sie auch darauf, dass ihr verletzungs- und krankheitsbedingte Rückschläge, wie ein in den USA zugezogener Ermüdungsbruch im Fuß,  erspart bleiben.
 
An der Motivation soll es dagegen nicht scheitern, »denn ich gebe auch bei hohen Rückständen nie auf und habe schon öfter Spiele nach einem 1:5 noch gedreht«, wie Natalia Siedliska  betont. Weitere Auskünfte über ihre Stärken will sie aber nicht geben, »denn wenn ich die nenne, dann kennt meine Gegnerin ja auch die Schwächen.«