Boskovic setzt ein dickes Ausrufezeichen

//Boskovic setzt ein dickes Ausrufezeichen

Boskovic setzt ein dickes Ausrufezeichen

Von Sandra Hennig, Schwarzwälder Bote, 25.07.2019/Bild: Wolfgang Rosenkranz

Es war die Überraschung des Donnerstags: In zwei Sätzen hat die junge Kroatin Lea Boskovic Titelverteidigerin Katharina Gerlach beim mit 25 000 Dollar dotierten ITF-Tennis-Turnier in Horb-Bildechingen aus dem Rennen geworfen.

Die Faust ballte Lea Boskovic nur selten. Wenn, dann aber nach Aktionen, die von den Zuschauern am Donnerstagmittag am Center Court in Bildechingen mit Applaus bedacht wurden – mit Recht. Mit einer starken Leistung hat die 19-jährige Kroatin ihren Viertelfinaleinzug perfekt gemacht. Und das gegen keine geringere als Titelverteidigerin Katharina Gerlach.

Dabei kam die 21-jährige Deutsche gar nicht schlecht ins Spiel, ging im ersten Satz mit 2:1 in Führung. Doch Boskovic begann im Anschluss, sich ihre eigene Flexibilität und ihr Repertoire an Schlägen zu Nutzen zu machen. Sie ließ Gerlach laufen und nahm ihr kurz darauf das erste Aufschlagspiel ab. Nach dem Break schienen Gerlach immer wieder wenige Zentimeter zu fehlen – ob am Netz, dem Aus oder in der Annahme der Bälle. Verunsicherung strahlte sie deshalb nicht aus. Einzig sollte ihr das Mittel fehlen, ihre Gegnerin in Verlegenheit zu bringen. „Lea (Boskovic, Anm. d. Red) hat mein Spiel sehr gut gelesen. Ich kam kaum aus der Rückhand raus, damit hat sie es mir sehr schwer gemacht“, sollte Gerlach später sagen.

Nachdem sie den ersten Satz mit 4:6 hatte abgeben müssen, startete sie erneut kraftvoll in den zweiten Satz, spielte mehrere gute Stopbälle und schien Boskovic mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Doch die junge Kroatin schaffte es wieder, Gerlach den Wind aus den Segeln zu nehmen, guckte ihr Stellungsspiel aus. Boskovic lockte Gerlach erst ans Netz, um dann Longline zu punkten.

Die Kroatin trat an diesem Tag schlicht und ergreifend besser auf, das hob auch Barbara Rittner (Head of Women’s Tennis beim DTB) im Anschluss an das Match hervor: „Sie hat das von A bis Z richtig gut gemacht. Ich bin davon überzeugt, dass sie hier um den Sieg mitspielen kann.“ Gerlach hingegen hätte zu keinem Zeitpunkt ihren eigenen Rhythmus gefunden, meinte Rittner. „Sie war immer einen Schritt hinterher.“

6:4 und 6:4 sollte es am Ende für die Kroatin heißen. Ihren ersten Matchball hatte sie zwar noch abgegeben, beim zweiten landete Gerlachs Return jedoch im Aus – und der Sieg war perfekt. „Es war ein hartes Match, auch wegen der Hitze“, sagte Boskovic wenige Minuten nach ihrem Viertelfinaleinzug. „Ich war heute aggressiver, habe die wichtigen Punkte gemacht. Bei mir läuft’s zur Zeit gut, ich kann meine ganzen Schläge super durchmischen.“

Ein Beinbruch ist das doch überraschend frühe Aus aber auch für Gerlach nicht. Die Hitze wollte sie keinesfalls als Ausrede gelten lassen: „Ich gehöre eigentlich zu denjenigen, denen das gar nichts ausmacht“, gibt sie zu. „Ich lag häufig mit 40:0 vorne, habe dann aber das Spiel noch abgegeben, das darf nicht passieren.“ Eine Chance auf einen Titel bleibt der 21-Jährigen in Bildechingen trotzdem noch: Im Doppel ist sie mit Julia Wachaczyk am Abend kampflos ins Halbfinale eingezogen, die Gegnerinnen Eleonora Molinaro und Ivana Popic mussten passen.

Lea Boskovic trifft nun auf die Qualifikatin Melanie Stokke. „Ich kenne sie noch gar nicht und lasse mich überraschen“, sagt die Kroatin. Das nötige Selbstvertrauen scheint sie derzeit jedenfalls zu haben – und auch auf ihr Spiel kann sich die 19-Jährige offenbar verlassen.

Jedenfalls ist sie ganz alleine angereist, ohne ihren spanischen Trainer, den sie nach dem Spiel überschwänglich lobt und mit dem sie lange telefoniert. „Natürlich möchte er alles wissen, wie die Partie lief“, sagt Stokke. Und da muss sie sich nicht verstecken, am Ende stand ein Sieg für sie, es ist nach den zwei gewonnenen Qualifikationsspielen der dritte während des Bildechinger Turniers. „Der war aber schon hart erarbeitet. Wobei ich sagen muss, dass das wechselt. Jedes Spiel ist auf seine eigene Art –­ naja – kompliziert“, sagt die Norwegerin.

Taktik ist ihre Spielweise

Ins Spiel gegen die Italienerin kommt sie zunächst gut rein, schlägt hart auf, geht kraftvoll ins Match, dabei ist sie so eigentlich gar nicht, „ist nicht meine Spielanlage. Trotzdem ging ich in Führung, und erstmal dachte ich, es läuft gut, bleibe bei dieser Spielweise“. Doch das wollte gegen die Linkshänderin zunächst nicht klappen, obwohl ihr das liegt, gegen Linkshänderinnen zu spielen. Sanesi kontert ein ums andere Mal, entpuppt sich als grundsolide Grundlinienspielerin. „Erst ab meinem 4:3 habe ich mein eigentliches Tennis gespielt, nämlich viel taktischer“, sagt Stokke.

Und das sollte der Schlüssel zum Erfolg sein, nach dem 6:3 im ersten Satz sind in Durchgang zwei die Punkte zwar weiterhin hart umkämpft, aber Stokke zwingt Sanesi zu mehr Fehlern, unterm Strich steht am Ende ein 6:4 – und Zeit zum Erholen. Den braucht sie. „Es ist schon richtig warm auf dem Platz, ich habe ungefähr fünf Liter getrunken und meinem Körper ordentlich Elektrolyte zugeführt, dass die Muskeln nicht verkrampfen“. Dann geht es direkt zum für die Spielerinnen bereitgestellten Buffet, zweimal holt sie sich einen Teller voll Nudeln, nimmt eine Dusche, macht extrem lange Dehnübungen.

Stokke ist zwar vom Turnier aus Aschaffenburg angereist und ihr Turnierplan ist nach Horb noch lange nicht zu Ende, Bad Saulgau wartet auch noch; aber Stokke braucht diese Turniere auch, muss sich langsam wieder an ihre alte Form zurückkämpfen. „Ich war hier in Horb nicht gesetzt, weil ich nicht das Ranking hatte. Eine Verletzung und damit einhergehende nötige Operation hatte mich länger außer Gefecht gesetzt.“ Jetzt müsse sie langsam wieder zurückkommen, „keep building my game“, nennt sie es.

Begnadete Sängerin

Und während sie das sagt, sitzt sie allein im Zelt. Der Trainer nicht da, Eltern nicht, Freunde nicht und auch die Doppelpartnerin nicht, „sie ist momentan auch verletzt“. Trübsal bläst sie deswegen trotzdem nicht. Stokke, die aus Oslo kommt und in Spanien trainiert und dort mittlerweile ihren Lebensmittelpunkt hat, ist in Horb keine Unbekannte, das bezeugen nicht nur die vielen Zuschauer, die sie während des Matches angefeuert haben. Viele erinnern sich nämlich auch, wie es war, als Stokke vor drei Jahren, als sie am Turnier teilgenommen hatte, sich bei der Player’s Night als begnadete Sängerin entpuppte. Adele, Sam Smith, das ist mitunter ihr Musikgeschmack.

Auch dieses Mal habe sie fest eingeplant zur Party zu kommen. Und das obwohl keine Band gebucht wurde? „Egal“, sagt Melanie Stokke, „dann singen wir eben Karaoke“.

2019-07-26T15:30:13+00:00 26. Juli.2019|Kategorien: Spielerinnen|

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