Von Peter Morlok

Wildcard-Siegerin: Alexandra Vecic >>Ich hasse es zu verlieren<<

Wenn derzeit von einem Tennis-Teenager die Rede ist, der in der Region richtig abräumt, dann ist wohl Alexandra Vecic gemeint. Bei den hiesigen Bezirksmeisterschaften gewann sie bei den Damen der A-Klasse im Bezirk E (Neckar/Alb/ Schwarzwald) ohne einen einzigen Spielverlust durchgängig mit 6:0. Und beim mehr als gut besetzten Nagolder Walter-Knoll-Cup warf sie die Dauersiegerin Ana-Maria Nedelcu mit einem 7:5 und 6:2 im Halbfinale aus dem Rennen, im Endspiel fegte sie Carolin Nonnenmacher, die im ITF-Juniorinnen-Ranging weit vor ihr steht, mit 6:2 und 6:4 fast schon vom Platz.

Sie heute schon als Tennis- Wunderkind zu bezeichnen wäre etwas voreilig, doch sie hat alle Voraussetzungen die man mitbringen muss, um im Spitzentennis mitzumischen. Fleiß, Ehrgeiz (»Ich hasse es zu verlieren«), ein optimales Umfeld, denn der Herr Papa ist Tennis-Trainer mit einer B-Lizenz und jede Menge gesundes Selbstvertrauen (»Ich liebe es,vor vielen Zuschauern zu spielen«) sind Stellschrauben, an denen sich eine Karriere recht gut austarieren lässt.

Und der Teenager, der gerade mitten in der Pubertät steckt und in letzter Zeit auch nochmals ordentlich gewachsen ist, geht mit einem recht coolen Verhältnis ihren Traum von der Profikarriere an: »Das Allerwichtigste neben dem Sport ist die Schule – mein Abitur mache ich auf jeden Fall«.
Günter Frank, Tennis-Bezirkstrainer und Alexandras Konditionstrainer, bei dem sie zweimal die Woche im Empfinger Leistungszentrum Athletik und Schnelligkeit bolzt, lobt sie auch in dieser Hinsicht über den grünen Klee. »Wenn ich Alex zwischen oder nach den Trainingseinheiten frage, was sie jetzt noch macht, dann sagt sie meistens, dass sie jetzt noch ein bisschen für die Schule lernt.

« Für den erfahrenen Coach ist diese Einstellung vorbildlich. »99 Prozent aller Kinder und Jugendlichen würden sagen: ich muss jetzt noch lernen – Alexandra macht es mit Spaß und der nötigen Eigenmotivation. « Chillen kennt sie zwar als Wort, doch »das ist nicht mein Ding« wie sie lächelnd und doch mit viel Überzeugung erklärt. Nicht nur deshalb bringt die junge Dame, die bei den Verbandsliga-Frauen des TC Schwenningen an Nummer zwei und bei den Kader-Juniorinnen des Tennisclub Hechingen in der Oberliga an Nummer Eins spielt, ihren Sport und die Schule prima unter einen Hut. »Die Schule (das Otto-Hahn-Gymnasium in Tuttlingen) lässt ihr viel Freiraum, und von ihren Klassenkameraden wird sie ebenfalls unterstützt. »Die schicken mir die Hausaufgaben und die Heftaufschriebe auf die Turniere nach und so bin ich meistens auf dem Laufenden «, freut sie sich über diese unkonventionelle Art der Aufgabenbewältigung.
Ein Punkt, den Vater und Heimtrainer Srdjan Vecic nicht hoch genug einzuschätzen weiß. »Die Schule kommt uns toll entgegen – ohne das wären unsere Turnierreisen und Vorbereitungen gar nicht möglich.« In der Vergangenheit habe man, was die Turnierteilnahmen anbelangt, noch die schonende Variante gewählt, würde aber nun versuchen die 20er-Marke zu knacken, erklärt Srdjan Vecic, der Tennis als die ideale Schule auch fürs »richtige « Leben sieht. »Durch den Sport lernt man die wichtigen und richtigen Werte im Leben kennen, zu denen auch der Umgang mit der Niederlage gehört. Auf dem Platz ist der Spieler/die Spielerin allein, da kann ihr keine Betreuer, kein Trainer helfen und es ist schwer, sich durchzubeißen«, so der erfahrene Tennis-Trainer, der früher schon die jugoslawische Jugend-Nationalmannschaft betreute. »Und mit den Turnieren kommen auch ganz automatisch die wichtigen ITF-Punkte, die als Eintrittskarte in die große Tenniswelt zu sehen sind«, fügt Alexandra an.

Neben Günter Frank und Papa Srdjan wird Alexandra derzeit vom WTB-Bezirkstrainer Matthias Martin und vom WTB-Verbandstrainer Thorsten Popp betreut. In der Junioren-Nationalmannschaft schaut außer Bundestrainerin Barbara Rittner vor allem DTB-Trainerin Jasmin Wöhr nach Alexandra. Bei der Endrunde des Tennis Europe Winter Cups im tschechischen Rakovnik sorgte Alexandra, bei zwei Begegnungen an Nummer Eins gesetzt, für zwei Siege und sicherte der deutschen U14-Nationalmannschaft der Juniorinnen dadurch den fünften Platz. Sie schlug die Spitzenspielerin von Russland und Estland. Seit rund vier Jahren ist Alexandra nun schon quasi als Semiprofessional auf den Jugendturnieren von Europa unterwegs.

Die Schläger samt Besaitung bekommt sie von »Babolat« gestellt, die Tennisbekleidung von »Nike«. Der Rest läuft über das »Sponsoring by Papa und Mama«. Und trotz ihres Könnens und ihrer Erfahrung, die sie schon sammeln durfte, ist sie vor jedem Match nervös wie ein junges Rennpferd. »Die letzten 30 Minuten vor dem Match bin ich am liebsten allein. Kopfhörer auf, Musik an und dann volle Konzentration – da will ich nicht gestört werden«, beschreibt sie ihre ganz persönlichen Matchvorbereitungen. Die übergeordnete Grobplanung ist dagegen sehr zielgerichtet aufgebaut.

Ein ganz normaler Tag sieht bei ihr so aus: 6.15 Uhr Stabilisations- und Dehnübungen, danach Frühstück. Von 7.30 Uhr bis 12.30 Uhr Schule. Danach Mittagessen. Dann stehen ab 14 Uhr für drei Stunden Tennis auf dem Tagesprogramm. Irgendwann nach 17 Uhr müssen die Hausaufgaben gemacht werden, und bevor sie gegen 22 Uhr ins Bett geht, steht Gymnastik, Konditions- Training oder dergleichen an. Kater Schnucki fordert auch noch seine Streicheleinheiten.

Sie spielt sieben Tage die Wochen Tennis und lebt für ihren Sport. Ihr Tag ist daher recht gut durchstrukturiert, biete aber trotz allem noch so viel Platz für Spontanität, dass keine Langweile oder Routine aufkommt. Natürlich gehört neben dem täglichen Training auch die richtige Ernährung dazu. »An Weihnachten isst sie immer ein rohes Spinatblatt mehr als sonst«, scherzt Günter Frank über seine Musterschülerin und deren Verhältnis zu Nahrungsmitteln.

Am 25. Juli wird sie nun zum ersten Mal auf der Anlage des Tennisclub Bildechingen aufschlagen. Von der Turnierleitung des BMW-ahg-Cups, der heuer zum 24. Mal auf der Anlage des TCB ausgetragen wird und bei dem der Tennis- Nachwuchs erstmals um ein Preisgeld von 25000 US-Dollar spielt, hat sie für ihren Nagolder Turniersieg eine Wildcard für das Qualifikationsfeld erhalten und nun freut sie sich auf diese Herausforderung, von der sie natürlich erwartet, dass es nicht ganz so leicht wird, wie bei den Bezirksmeisterschaften.

Mit der Verständigung wird sie auf jeden Fall kaum Probleme bekommen, spricht sie doch neben Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch auch noch Serbisch. Das müsste selbst in so einem international besetzten Turnier wie in Bildechingen reichen, um sich mit anderen Spielerinnen zu unterhalten. Undfalls doch nicht, spricht ihr Spiel für sie.